Performance-Projekt act

Seit mehreren Jahren bestehen Kontakte unter Performance-Dozierenden an verschiedenen Schweizer  Hochschulen für Gestaltung und Kunst. Diese führen immer wieder zu Austausch und gemeinsamen  Projekten. Im Frühling 2003 wurde zum ersten Mal das Projekt «act» lanciert, an dem sich die Kunstabteilungen der Hochschulen in Bern, Zürich, Aarau und Basel beteiligten. In diesen vier Städten fand im  Mai 2003 der erste Performance-Event statt, der ausschliesslich studentischen Arbeiten gewidmet war.

 «act» war eine Performance-Tournée, bestehend aus drei öffentlichen Performance-Abenden in den genannten Städten, einem ersten gemeinsamen Arbeitstag in Aarau (dem sogenannten Laboratorium für  das Kennenlernen der Arbeiten und für die Konzeption des Programms) und aus einer Nachbesprechung  mit allen Beteiligten. Die Veranstaltungen wurden in den Monaten April und Mai im Kiff Aarau (Laboratorium), im Kaskadenkondensator Basel, in der Stadtgalerie Bern und im K3 in Zürich durchgeführt. Beteiligt waren an diesem von Linda Cassens Stoian und Heinrich Lüber initiierten Projekt 28 Studierende  der Fachhochschule Aargau, der HGK Basel, der Hochschule für Gestaltung, Kunst und Konservierung  Bern, der F+F Zürich und der HGK Zürich....Die verantwortliche Dozentin[nen ...waren] Linda Cassens  Stoian, Mo Diener (HKB Bern), Monica Klinger (HGK Zürich), Muda Mathis (HGK  Basel), Linda Cassens Stoian, Tom Lang, und Heinrich Lüber (FH Aargau) und Heinrich Lüber  (F+F Zürich). Es wurden vorwiegend Einzelperformances gezeigt, hinzu kamen Performance-Videos,  akustische Interventionen und eine interaktive performative Installation. Die Arbeiten wurden ein- bis  dreimal vorgeführt. Die Studierenden der jeweiligen Hochschule übernahmen die Organisation und die  Verantwortung des Programms an den Veranstaltungsorten.

Das Projekt war in verschiedener Hinsicht von Bedeutung für die Studierenden: Sie konnten ihre Performances öffentlich erproben. Die Live-Situation mit der Dynamik zwischen Akteur und Zuschauer ist  für die Performance-Arbeit wesentlich und innerhalb der rein schulischen Arbeit wenig gegeben. Die  Wiederholung einer Performance an neuem Ort, vor unbekanntem Publikum und mit anderen räumlichen Bedingungen bot interessante Lerneffekte. Die Performances konnten damit weiter entwickelt und  optimiert werden. Die Begegnungen zwischen den Studierenden der verschiedenen Hochschulen untereinander waren aufschlussreich, aber auch die der Dozierenden und Veranstalter (Sandi Paucic vom K3 in Zürich, Pascale  Grau und Anna Schürch vom Kaskadenkondensator Basel, Beate Engel von der Stadtgalerie Bern). Darüber hinaus lernten die Studierenden die kuratorische Praxis für die Performances kennen (technische  Verantwortung, Auf- und Abbau, Moderation, Catering, Pressearbeit, Programmentscheidungen).

Ein wichtiger Teil des Projekts war die gemeinsame Nachbesprechung der gezeigten Arbeiten. In deren  Verlauf kam der Wunsch auf, das Projekt im Frühjahr 2004 zu wiederholen. Die ersten Vorbereitungen  laufen bereits, die Studierendengruppe hat sich wieder formiert....Es geht dabei nicht in erster Linie um  eine Leistungsschau der Hochschulen (wobei Konkurrenz immer wieder auch beflügeln kann), sondern  um die Erfahrung der Öffentlichkeit, welche über die schulischen Workshops hinaus anders erprobt werden kann. Gerade beim Medium Performance ist die Öffentlichkeit unmittelbarer Bestandteil des Werks  und die Live-Situation muss immer wieder geübt werden können. Im Zentrum sollen dabei nicht nur die  gezeigten Performances stehen, sondern auch die vorangegangenen Entstehungs- und Entscheidungsprozesse.

Muda Mathis

in KURT: Jahrbuch der Hochschule für  Gestaltung und Kunst Basel HGK. Herausgegeben von Alois M. Müller. Basel-Boston-Berlin: Birkhäuser-Verlag für Architektur, 2004, S. 102-103