Thomas Reinhard  – ZHdK

The Badness of Death

Im Innenraum. Der Performer sitzt an einem Tisch mit Laptop. Er sieht aus wie ein "typischer" Businessman: blaues Hemd, feine Hosen und Schule, die Haare nach hinten gegelt.... Klischee? Hinter ihm eine Projektion welche den Titel "The Badness of Death" in einem Textprogramm aufzeigt. Auch das Setting im Raum gibt den Eindruck einer Geschäftlichen Vortragssituation. Via Laptop verändert er die Buchstabenabfolge des projizierten Titels, es ergeben sich andere Wortkombinationen. Er recherchiert Begriffe aus dem Titel auf Wikipedia, wechselt schnell die Eingaben so dass für mich kaum Zeit bleibt die Erklärungen zu lesen. Nun steht er auf und erzählt uns dass er kein Künstler sei sondern Wirtschaftsökonom, was er auch studiert hat. Weil er jedoch Fragen hatte die in diesem Studium nicht beantwortet werden konnten, entschied er sich für das jetzige Studium an der ZHDK Kunst, um evt. da zu Antworten zu gelangen. Exemplarisch zeigt er uns in Form einer Powerpoint-Präsentation die Auseinandersetzungen von Mehrwert durch Labels/Brands und fragt sich warum das so ist: ein weisses Baumwolle T-Shirt in Mexico produziert für 5 Dollar, welches nach China exportiert wird und dort ein Symbol aufgedruckt bekommt, z.B. Nike-Schweif, erhält dadurch 10 mal mehr Wert, 50 Dollar. Mehrwert durch Prestige des Symbols, Prestige= Steigerung der Identität. Er schliesst daraus; durch Prestige-Symbol mehr Identität, mehr Wert. Ohne Symbol kein Wert. Auch ein vermeintliches Sicherheitsgefühl durch Identität oder Symbole stellt sich für mich in Frage. Synchron zu seinen Erläuterungen macht er ein Spiel mit der Projektion in dem er einen Schritt zur Seite geht und das Nike Symbol auf seinem Hemd als kleine Projektion erscheint. Wieder ein Schritt zurück verschwindet das Symbol "kein Wert" sagt er nun dazu. Während seinem Ökonomie Studium (Teils auch in China) ist er in einem WirtschaftsMagazin auf Sprüche gestossen, in der art von "Lebensweisheiten", wie z.B. "Mache etwas ohne Wert wertvoller". Mit dem Projektionsspiel auf seinem Hemd, schliesst er mit dem Symbol einer kleinen Blume die Performance ab.

Durch die verschiedenen Ebenen von Wirtschafts-Kreislauf, Kunstkontext, Identitäts-Thematik und Symbolik von Brands, der Performer der nicht Künstler ist, entsteht für mich ein komplexes Gefüge von Zusammenhängen. Durch unterschiedliche Disziplinen, welche ich nicht deutlich erfassen kann, sehe ich die Frage nach Bedeutung/Bezeichnung.

Stéphanie Degen, Zürich